Jörg Gülden über Abi Wallenstein


Man kann ihn nur als janusköpfig bezeichnen. Einerseits ist er einer der bescheidensten und friedfertigsten Menschen, die ich kenne, andererseits aber ist er der personifizierte Starrsinn auf zwei Beinen und auf sechs Saiten.

Auf Abi Wallenstein trifft der Begriff „konservativ“ definitiv zu – allerdings im positiven Sinne. Denn in Zeiten, da in TV Retortenlabors singende Hupfdohlen wie Kaninchen aus dem Hut gezaubert und noch vor dem ersten Gang ins Studio zu Megastars gekürt werden, tut es gut zu wissen, daß es noch Künstler gibt, die sich von keinem Hype vereinnahmen lassen und die Musik weiterhin mit der Hand machen.
Abi Wallenstein tut das bereits seit Jahrezehnten; er spielt mindestens so gut Gitarre wie (......hier den Namen eines beliebigen „Gitarrengotts“ einfügen), und der Gesang ist ihm ebenfalls bestens gegeben. Läge sein Geburtsort im Mississippi-Delta, wäre er längst weltweit eine Blues-Legende. Nun musiziert er aber „nur“ an der Elbe, doch dafür ist er zumindest in Hamburg legendär. Egal, ob er mit Bad News Reunion (die gibt’s endlich wieder!) oder solo auftritt, er ist stets ein Lichtblick im sonst oft so eintönigen musikalischen Alltag.

Mit dem Album „Step In Time“ hat er sich sein eigenes kleines Denkmal gesetzt: feinste Coverversionen wie „Off The Hook“ von Jagger/Richards oder „Thing Called Love“ von John Hiatt stehen kongenial Seite an Seite mit so großartigen Eigenkompositionen wie „Written By A Friend Of Mine“ oder „Rockin’ Shoes“. Und wenn Abi sich mit den beiden Mundharmonika-Virtuosen Henry Heggen oder Steve Baker „duelliert“, dann liegt New Orleans plötzlich an der Waterkant. Bleibt nur zu hoffen, daß der Ausnahmemusiker Abi Walleinstein jetzt endlich auch mal südlich der Elbe Gehör findet. Aber wie sagte Hamburgs Ex-Bürgermeister Uli Klose einmal recht nassforsch: „Hinter Harburg fängt der Balkan an.“ Nun gut, dann soll Abi jetzt auch im Balkan ein Großer werden – „Big in Balkan!“

Jörg Gülden, Musik-Journalist, Hamburg, im Januar 2003

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